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Next Generation Coaching

Aktualisiert: 5. Mai 2023

Wenn ich mich heute in Sachen Coaching entscheiden möchte, entweder, weil ich als Klient ein Angebot suche oder weil ich mich in diesem Fach aus-, fort- oder weiterbilden möchte, interessiert mich doch, was genau jetzt State of the Art ist und wer hier vertrauenswürdig weiterhelfen kann. Es ist selten, dass etwas einfach so aus der Wand pulzelt und "zack" ist es da: Fix und fertig ohne, dass man sich groß fragt, wie es zustande kam. Eigentlich gibt es das gar nicht, oder? Das wäre ja auch etwas aus der Welt der Märchen und Wunder. Also gibt es in der Realität für alles, was wir vorfinden eine Entsthungs- oder Entwicklungsgeschichte. So ist es auch beim Coaching. Inzwischen, so heißt es, können wir schon auf zwei Generationen Coaching zurückblicken und es wird diskutiert, wie denn nun die dritte - also quasi aktuelle - charakterisiert werden kann/soll/muss.


Next Generation Coaching
Generationen.

Coaching sei als eine Antwort auf sich stark verändernde Bedingungen in der modernen Welt, mit Herausforderungen im privaten wie beruflichen Kontext, komplexer werdenden Entscheidungssituationen und steigendem Flexibilisierungsdruck entstanden, denen sich Menschen in zunehmendem Maße ausgesetzt sehen (Giddens 1991, Ianiro-Dahm/ Kauffeld 2018, Stelter 2014). Zur Geschichte des Coachings hat der Coachingforscher Siegfried Greif (2014) eine Übersicht gegeben mit einem besonderen Blick auf die Beziehung zur Wissenschaft. Dort kann man lernen, das Coaching im Ursprung auf den damals aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen aufgebaut hat. Das ist hilfreich, denn oft hört man von eher esoterischen oder wenig fundierten Konzepten, die ich persönlich gerne meide.


Kann man also davon ausgehen, dass es mehrere zumindes sachlich-fachlich von einander abstammende Generationen Coaching gibt, die zeitlich auf einander folgen und die sich vielleicht sogar in ihrer Gültigkeit in Bezug auf die veränderten Herausforderungen durch die (spät-, post-) moderne Welt und den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisstand gegenseitig abgelöst haben?

Coaching, die erste

In puncto Coaching scheint es so zu sein, dass es vor gar nicht allzu langer Zeit eine Art Start"-zeitraum" gab, der so zwischen Ende der 30er und Ende der 60er Jahre des verklungenen Jahrhunderts liegt. Und in der Folge hat sich eben, angeregt durch sich wandelnde gesellschftliche Herausforderungen, die erste Generation Coaches herausgebildet, die entsprechend auch die der Pioniere genannt werden. Diese Pioniere haben sich an den damals aktuellen wissenschaftlichen Grundlagen orientiert und eigene professionelle Coachingmethoden entwickelt. (siehe Greif, 2014; eine umfassende historische Darstellung der Beziehung zwischen Coaching und Wissenschaft). Stelter (2014, 2016) betont vor allem die Dominanz performance- und zielorientierter Coaching-Ansätze (GROW, S.M.A.R.T.) in Anlehnung an das Sport-Coaching in dieser Generation.

Coaching, die zweite

Die zweite Generation gilt als diejenige, die quasi von der ersten ausgeblidet wurde und/ oder zeitgleich eigene alternative Konzepte entwickelt und angeboten hat. Geprägt hat sie zum einen der Drang nach Vernetzung und Organisation in Verbänden und gleichzeitig dabei ein Auffächern in verschiedene Schulen und Richtungen und Untergruppen. Dabei hat es sich wohl leider ergeben, dass vielen der Bezug zu den wissenschaftlichen Wurzeln verloren gegangen ist. Eine der Richtungen trägt allerdings den Wissenschaftsbezug fast im Namen: Evidenzbasiertes Coaching. Auf den Schultern von Pionier*innen wie Astrid Schreyögg stehend, entwickelt sich dieses Konzept in wissenschaftlich orientierten Verbänden wie der International Society for Coaching Psychologie. Und ausgehend von Konzepten wie goaloriented coaching mit Akteuren wie Antony M. Grant (Australien) und Dianne Stober (USA) oder solution focussed coaching und in Deutschland Siefried Greif an der Universität Osnabrück, der das Konzept des ergebnisorientierten Coaching als Theoriegerüst entwickelte, "das für Veränderungen und Erweiterungen offen ist und weiterentwickelt werden kann und soll".

Inzwischen ist in Deutschland wie international eine ganze Reihe an Wissenschaftler*innen an vielen Hochschulen und Universitäten hizugekommen, so dass sich jetzt die Frage stellt, wie der Tranfer in die Praxis und eine fruchtbare Zusammenarbeit von Praktikern und Wissenschaftlern gelingen kann. Insgesamt konstatiert Greif (2014), dass "es nur wenige richtungs- und methodenübergreifende Coachingansätze ..." gibt " ..., die Erkenntnisse aus verschiedenen Theorien, der Grundlagenforschung und angewandten Disziplinen auf Coaching anwenden" Denn bei all den vielen schönen Coaching-Konzepten und -Richtungen fehlt ja vielleicht das verbindende Element einer gemeinsamen theoretischen Fundierung. In der Folge ist (2014) ein passendes Weiterbildungsangebot zum ergebnisorientierten Coaching in Zusammenarbeit mit dem Berliner Verein Arbeit, Bildung, Forschung e. V. (ABF e. V.) entstanden.


Nun aber: Coaching, die dritte - bzw. drei mal die dritte


Bei schneller Recherche finden sich drei Quellen, die sich mit dem Begriff Third Generation Coaching befassen. Googelt man allerdings "Coaching 3.0" wird es schnell unübersichtlich, da viele Anbieter diesen Ausdruck verwenden, um ihr eigenes Angebot werblich herauszustellen. Ich schaue mir hier also ausschließlich die drei mir bekannten Konzepte mit Bezug zur Wissenschaft an.


  1. Greif (2014) beschreibt die Anforderungen der Harvard Business School, an ein Coaching der dritten Generation.

  2. Anthony Grant (2016), grenzt seine Vorstellungen in "The third ‘generation’ of workplace coaching: creating a culture of quality conversations" auf den Einsatz am Arbeitsplatz ein. >> Hier weiterlesen!

  3. Am weitesten geht Reinhart Stelter (ebenfalls von Greif beschrieben), der in mehrerern Artikeln und in seinem Buch "Third Generation Coaching" seinen innovativen Standpunkt klar macht.


Literatur:

Grant, A. M. (2016), The third ‘generation’ of workplace coaching: creating a

culture of quality conversations, in Coaching An International Journal of Theory Research and Practice · December 2016.


Greif, S. (2014). Coaching und Wissenschaft - Geschichte einer schwierigen Beziehung. OSC Organisationsberatung - Supervision - Coaching, 21(3), 295-311.


Harvard Business School (2013*), Third generation coaching. http://www.1to1 coachingschool. com/coursecontent.htm. Zugegriffen: 18. Mai 2013 (*wie bei Greif (2014) angegeben).


Schreyögg, A (1995); Coaching - Eine Einführung für Praxis und Ausbildung, Campus (Frankfurt).


Stelter, R. (2016), Third generation coaching – Ein Plädoyer für die Weiterentwicklung einer Dialogform. In R. Wegener, M. Loebbert & A. Fritze (Hrsg.), Coaching und Gesellschaft. Forschung und Praxis im Dialog (S. 25–47). Wiesbaden: Springer.


Stelter, R. (2014), A Guide to Third Generation Coaching: Narrative-Collaborative Theory and Practice, Springer Science+Business Media Dordrecht.


Stelter, R. (2014). Third-Generation Coaching: Reconstructing Dialogues through Collaborative Practice and a Focus on Values. International Coaching Psychology Review, 9 (1), 51-66.


Stober, D. R., & Grant, A. M. (Eds.). (2006). Evidence based coaching handbook: Putting best practices to work for your clients. John Wiley & Sons Inc.


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