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Warum Zielklärungen allein nicht ausreichen - Der Intention-Action-Gap

Du hast es vielleicht schon erlebt: Du setzt dir ein klares Ziel, erstellst sogar einen detaillierten Plan zur Umsetzung, aber dennoch scheiterst du daran, den Plan konsequent umzusetzen. Dieses Phänomen, das als Intention-Action-Gap bekannt ist, beschäftigt Wissenschaft und Praxis. Es stellt sich die Frage, warum eine Zielklärung allein oft nicht ausreicht.


In einer Untersuchung hat man genau das festgestellt, dass allein eine Zielklärung und Planung oft nicht ausreichen kann, um die gewünschten Handlungen konsequent umzusetzen. Der Intention-Action-Gap bezeichnet die Kluft zwischen dem Ziel und der tatsächlichen Handlung. Diese Herausforderung ist seit einiger Zeit sowohl in der Wissenschaft als auch in der Praxis bekannt.



Implementation-Intention: Der Moment, in dem Sie sich zur Umsetzung entschließen, kann oft an Ihrer Mimik und Körperhaltung erkennbar sein, wenn sie sich aufrichten und  mit einer festen Stimme von Ihrem Entschluss sprechen.

Implementation-Intention: Der Moment, in dem Sie sich zur Umsetzung entschließen, kann oft an Ihrer Mimik und Körperhaltung erkennbar sein, wenn sie sich aufrichten und mit einer festen Stimme von Ihrem Entschluss sprechen.

Obwohl Ziele klar definiert und ein Plan zur Zielerreichung entwickelt wurden, besteht keine Gewissheit, dass der Plan konsequent umgesetzt wird. Forschungsergebnisse aus 422 Untersuchungen mit insgesamt 82.107 Teilnehmern zu einer Vielzahl von Zielen zeigen, dass im Durchschnitt nur 50% der Ziele tatsächlich umgesetzt werden.


Die Motivations- und Willenspsychologie liefert hier Erkenntnisse, die erklären, warum eine Zielklärung und Planung allein oft nicht zur Umsetzung führen. Als Ergänzung zur Zielklärung darf ein bewusster und ausformulierter Willensentschluss zur Umsetzung der erforderlichen Handlungen nicht fehlen. Dieser Entschluss wird als Implementation-Intention (Implementierungsintention, Handlungsabsicht oder Umsetzungsabsicht) bezeichnet. Der Begriff wurde 1993 von dem Psychologen Peter M. Gollwitzer eingeführt. Dieses Konzept ist eine Strategie zur Selbstregulation und hat die Funktion, diejenigen Bedingungen zu genauer zu beschreiben, durch die langfristige Ziele mit bestimmten Handlungen umgesetzt werden können.


Zahlreiche Untersuchungen zu unterschiedlichen Zielen haben gezeigt, dass Verhaltensänderungen häufiger umgesetzt werden, wenn Personen nach der Zieldefinition dazu angehalten werden, bewusst die Entscheidung zu treffen, das Geplante umzusetzen, und ihre Umsetzungsabsichten sorgfältig auszuformulieren.


Schrittweise Anleitung zur Formulierung von Umsetzungsabsichten:


1. Wähle ein konkretes Ziel: Überlege, welches Ziel du erreichen möchtest. Es kann beruflicher, persönlicher oder gesundheitsbezogener Natur sein.


2. Wähle eine damit verbundene Handlung aus: Identifiziere die konkrete Handlung oder Aktivität, die notwendig ist, um das Ziel zu erreichen. Stelle sicher, dass die Handlung realistisch und umsetzbar ist.


3. Überlege genau, wann und in welcher Situation du die Handlung ausführen möchtest: Reflektiere darüber, in welchen spezifischen Situationen du die Handlung in die Tat umsetzen möchtest. Berücksichtige dabei beispielsweise den Zeitpunkt, den Ort oder andere relevante Umstände.


4. Formuliere eine Umsetzungsabsicht in Form eines "Wenn-dann-Satzes": Verwende die oft verwendete Standardformulierung eines "Wenn-dann-Satzes", um deine Umsetzungsabsicht klar und präzise auszudrücken. Beispiel: "Wenn [Situation], dann [Handlung]."


5. Wiederhole und visualisiere deine Umsetzungsabsicht: Wiederhole die formulierten Umsetzungsabsichten regelmäßig, um sie in deinem Gedächtnis zu verankern. Visualisiere auch die Situationen, in denen du die Handlung umsetzen möchtest, um deine Absicht zu stärken.


6. Überprüfe Hindernisse und entwickle Strategien: Identifiziere potenzielle Hindernisse oder Schwierigkeiten, die dich daran hindern könnten, deine Umsetzungsabsicht umzusetzen. Entwickle Strategien, um diese Hindernisse zu überwinden und deine Handlung dennoch durchzuführen.


(Weitere Tipps in Beiträgen zum Rubikon-Modell der Handlungsphasen, hier in diesem Blog.)


Es ist zu beachten, dass diese Schritte auf Forschungsergebnissen basieren, die die Wirksamkeit der Formulierung von Umsetzungsabsichten bei der Zielerreichung belegen. Durch die bewusste Ausformulierung von Umsetzungsabsichten in Form von "Wenn-dann-Sätzen" erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass die geplante Handlung tatsächlich ausgeführt wird. Diese Methode kann in verschiedenen Bereichen angewendet werden, einschließlich der Förderung von Gesundheitsverhalten.


Diese Darstellung dient dazu im Coaching zu vernmitteln, warum es für die Zielerreichung wichtig ist, einen bewussten Willensentschluss zu fassen und darauf hinzuweisen, dass die bloße Zielklärung und Planung allein eben nicht ausreichen, um die gewünschten Handlungen umzusetzen. Der Moment, in dem Sie sich zur Umsetzung entschließen, kann oft an Ihrer Mimik und Körperhaltung erkennbar sein, wenn sie sich aufrichten und mit einer festen Stimme von Ihrem Entschluss sprechen ;-)


Durch diese Vorgehensweise im Coaching wird Ihnen verdeutlicht, dass die bewusste Willensentscheidung und die Vorstellungskraft einen erhebnlichen Beitrag zur Umsetzung ihrer Ziele leisten. Indem sie sich mental auf den Moment des Willensentschlusses vorbereiten und diesen bewusst erleben, wird die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass Sie die geplanten Aktionenauch tatsächlich umsetzen.


Beachten Sie, dass dies nicht für alle Klient*innen in gleicher Weise gilt. Manche können ihre Entschlossenheit durch eine veränderte Körperhaltung und eine feste Stimme zeigen, während andere möglicherweise andere Anzeichen dafür haben, dass sie sich zur Umsetzung entschlossen haben. Als Coach ist es wichtig, auf individuelle Ausdrucksformen zu achten und Sie darin ganz klar zu unterstützen, Ihren eigenen Weg des Willensentschlusses zu finden.


Literatur:

Greif, S. (2018a). How to bridge the intention-action gap. Paper presented at the Conference "Coaching in Leadership and Healthcare" of the Institute of Coaching (McLean Hospital, Harvard Medical School Affiliate) 28-29th September 2018, Boston.

Greif, S. (2018b). Motivation, Wille und Umsetzung im Coaching. In S. Greif, H. Möller, & W. Scholl (Eds.), Handbuch Schlüsselkonzepte im Coaching (pp. 401-414). Heidelberg: Springer.

Greif, S., & Benning-Rohnke, E. (2015). Konsequente Umsetzung von Zielen durch Coaching - Praktisch nützliche Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung und ihre Anwendung. Coaching – Forschung und Praxis (e-Pub), 1. doi:DOI 10.1365/s40896-015-0003-8

Gollwitzer, P. M. (1999), Implementation intentions: Strong effects of simple plans. American Psychologist, 54, 493–503.

Gollwitzer, Peter M. (1993), Goal achievement: The role of intentions. European review of social psychology, S. 141-185.

Gollwitzer, P. M., Kuhl, J., & Heckhausen, H. (1996). Das Rubikonmodell der Handlungsphasen. In J. Kuhl & H. Heckhausen (Eds.), Enzyklopädie der Psychologie, Bd 4, Motivation, Volition und Handlung (pp. 531-582), Göttingen, Hogrefe.

Gollwitzer, P. M., & Sheeran, P. (2006). Implementation intentions and goal achievement: A meta-analysis of effects and processes. Advances in Experimental Social Psychology, 38, 69–120.

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